Kirchensteuer 2026: Wie hoch ist sie und wann lohnt der Austritt?
Was ist die Kirchensteuer?
Die Kirchensteuer ist eine Steuer, die von Mitgliedern der katholischen oder evangelischen Kirche (sowie einiger anderer Religionsgemeinschaften) erhoben wird. Sie wird vom Finanzamt zusammen mit der Einkommensteuer eingezogen und direkt an die jeweilige Kirche weitergeleitet.
Wie hoch ist die Kirchensteuer 2026?
Die Kirchensteuer beträgt einen Prozentsatz der festgesetzten Einkommensteuer — nicht vom Brutto- oder Nettogehalt:
- Bayern und Baden-Württemberg: 8 % der Einkommensteuer
- Alle anderen Bundesländer: 9 % der Einkommensteuer
Rechenbeispiel: Jahreseinkommen 50.000 EUR brutto (ledig, StK 1) → Einkommensteuer ca. 12.500 EUR → Kirchensteuer: 12.500 × 9 % = 1.125 EUR pro Jahr → ca. 94 EUR pro Monat.
Bei 70.000 EUR Bruttojahresgehalt: Einkommensteuer ca. 20.000 EUR → Kirchensteuer: 1.800 EUR/Jahr (9 %) oder 1.600 EUR (8 %).
Kirchensteuer auf Kapitalerträge
Auch auf Kapitalertragsteuer (Abgeltungssteuer) wird Kirchensteuer erhoben. Das reduziert den effektiven Steuersatz auf Zinsen und Dividenden leicht. Banken ziehen sie automatisch ein, wenn du deinen Kirchensteuerstatus angegeben hast.
Wie funktioniert der Kirchenaustritt?
Der Kirchenaustritt ist in Deutschland Ländersache und läuft in der Regel so ab:
- Persönlich beim Standesamt oder Amtsgericht des Wohnorts erscheinen (Personalausweis mitbringen)
- Erklärung abgeben und eine Gebühr entrichten (je nach Bundesland 10–35 EUR)
- Du erhältst eine Austrittsbestätigung
- Der Austritt gilt zum Ende des Kalendermonats oder des Folgemonats
In vielen Bundesländern (z. B. Bayern, NRW, Hamburg) ist der Austritt inzwischen auch online über das jeweilige Portal möglich.
Was sparst du nach dem Austritt?
Die jährliche Ersparnis entspricht der bisher gezahlten Kirchensteuer. Bei einem Bruttogehalt von 60.000 EUR/Jahr (ledig) sind das typischerweise 1.200–1.500 EUR netto mehr pro Jahr — je nach Steuerlast und Bundesland.
Beachte: Nach dem Austritt können kirchliche Institutionen (Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime in kirchlicher Trägerschaft) Nachteile beim Zugang oder beim Arbeitsverhältnis geltend machen.
Sonderkirchensteuer — ein Mythos?
Viele fürchten, bei Gehaltserhöhungen oder Weihnachtsgeld extra Kirchensteuer zahlen zu müssen. Das stimmt nur bedingt: Die Kirchensteuer steigt proportional mit der Einkommensteuer. Eine gesonderte "Strafsteuer" bei Sonderzahlungen gibt es nicht — sie wirken nur indirekt über die höhere Einkommensteuer.
Wie viel Kirchensteuer zahlst du aktuell?
Berechne mit dem Brutto-Netto Rechner, was du mit und ohne Kirchensteuer netto erhältst.
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