Lohnabrechnung verstehen: Jede Zeile erklärt

Das Bruttogehalt: Dein Ausgangspunkt
Ganz oben auf deiner Lohnabrechnung steht das Bruttogehalt. Das ist der Betrag, den du mit deinem Arbeitgeber vertraglich vereinbart hast. Neben dem Grundgehalt können hier weitere Bestandteile auftauchen: Überstundenzuschläge, Provisionen, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder vermögenswirksame Leistungen. All diese Positionen werden zum Gesamtbrutto zusammengerechnet. Dieses Gesamtbrutto ist die Bemessungsgrundlage für alle weiteren Abzüge. Prüfe jeden Monat, ob das Bruttogehalt mit deinem Vertrag übereinstimmt und ob Sonderzahlungen korrekt erfasst sind.
Steuerabzüge: Lohnsteuer, Soli und Kirchensteuer
Der erste Block an Abzügen sind die Steuern. Die Lohnsteuer richtet sich nach deiner Steuerklasse (1-6), deinem Einkommen und den eingetragenen Freibeträgen. Sie ist eine Vorauszahlung auf deine Einkommensteuer. Der Solidaritätszuschlag (5,5% auf die Lohnsteuer) fällt seit 2021 für die meisten Arbeitnehmer weg, erst ab einem zu versteuernden Einkommen von ca. 68.000 EUR (ledig) wird er wieder fällig. Die Kirchensteuer beträgt 8% (Bayern, Baden-Württemberg) oder 9% (alle anderen Bundesländer) der Lohnsteuer. Bist du nicht in der Kirche, entfällt dieser Posten komplett.
Sozialversicherungsbeiträge: Die vier Säulen
Der zweite große Abzugsblock sind die Sozialversicherungsbeiträge. Du trägst jeweils die Hälfte, die andere Hälfte zahlt dein Arbeitgeber:
- Krankenversicherung: 14,6% Gesamtbeitrag (7,3% dein Anteil) plus kassenindividueller Zusatzbeitrag (durchschnittlich 1,7%, also ca. 0,85% für dich)
- Pflegeversicherung: 3,4% Gesamtbeitrag (1,7% dein Anteil). Kinderlose ab 23 Jahren zahlen einen Zuschlag von 0,6%. Eltern erhalten ab dem 2. Kind Abschläge
- Rentenversicherung: 18,6% Gesamtbeitrag (9,3% dein Anteil)
- Arbeitslosenversicherung: 2,6% Gesamtbeitrag (1,3% dein Anteil)
Zusammen macht dein Anteil an den Sozialversicherungen rund 20-21% des Bruttogehalts aus. Die Beiträge werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet: 2026 bei 5.175 EUR/Monat (KV/PV) bzw. 7.550 EUR/Monat (RV/AV) in den alten Bundesländern.
Vom Brutto zum Netto: Die Rechnung
Die Formel ist einfach: Bruttogehalt minus Lohnsteuer minus Soli minus Kirchensteuer minus Sozialversicherungsbeiträge gleich Nettogehalt. Bei einem Bruttogehalt von 3.500 EUR in Steuerklasse 1, gesetzlich versichert, kinderlos, ohne Kirchensteuer, sieht das ungefähr so aus:
- Bruttogehalt: 3.500 EUR
- Lohnsteuer: ca. -404 EUR
- Solidaritätszuschlag: 0 EUR
- Krankenversicherung (7,3% + 0,85%): ca. -285 EUR
- Pflegeversicherung (2,3% kinderlos): ca. -81 EUR
- Rentenversicherung (9,3%): ca. -326 EUR
- Arbeitslosenversicherung (1,3%): ca. -46 EUR
- Nettogehalt: ca. 2.358 EUR
Wichtige Begriffe auf der Abrechnung
Auf vielen Lohnabrechnungen findest du zusätzliche Angaben, die oft Fragen aufwerfen:
- Steuer-Brutto: Der Betrag, auf den Steuern berechnet werden (kann vom Gesamtbrutto abweichen, z.B. durch VWL)
- SV-Brutto: Der Betrag, auf den Sozialversicherung berechnet wird (begrenzt durch die Beitragsbemessungsgrenze)
- AG-Anteil: Der Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung, nur zur Information aufgelistet
- Nettobezüge/-abzüge: Beträge, die nach der Brutto-Netto-Berechnung addiert oder abgezogen werden (z.B. VWL, Sachbezüge, Pfändungen)
- Auszahlungsbetrag: Der finale Betrag, der auf dein Konto überwiesen wird
Fehler auf der Abrechnung erkennen
Prüfe deine Lohnabrechnung regelmäßig auf Fehler. Häufige Fehlerquellen: falsche Steuerklasse, fehlende Freibeträge, falsche Anzahl der Kinderfreibeträge, nicht berücksichtigte Kirchensteueraustritte oder fehlerhafte Überstundenabrechnung. Bei Unstimmigkeiten wende dich zuerst an deine Personalabteilung. Nutze unseren Brutto-Netto Rechner, um deine Abrechnung gegenzuprüfen und zu sehen, ob die Abzüge korrekt sind.
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